Luisa M. Chilinski: James Mortis

Ein beeindruckendes Antikriegsgedicht von Luisa Maureen Chilinski steht heute auf der Homepage des Geest-Verlags: James Mortis

http://www.geest-verlag.de/audio/luisa-maureen-chilinski-james-mortis-jugendliche-melden-sich-zu-wort-3

James Mortis

Schweißnassgebadet aufgewacht,
erneut geträumt, erneut gestorben:
James Mortis fällt, sein Kopf schlägt auf,
als schwarzer Regen ihn bedeckt.

Jeden Morgen, jeden Abend
tief verloren, Soldat James Mortis,
wenn seine Kellertür sich schließt.

Ach, wie war der Tag noch damals,
als Feuer fern und Leid ihm fremd.
Menschen sich zufrieden liebten,
Vergnügen spät erkannten Werts.

Sie kamen als Pulk, sie stürmten im Wahn,
getrimmte Meute verschluckte den Tag.
Aus staubiger Asche Polizei drängte an,
verstörte mit blut’gen Waffen das Land!

Jetzt kämpft James Mortis in seiner Welt,
träumt von der Kugel in seinem Herzen,
geteiltes Leben, verlor’nes Leben,
zersplitterte Scherben,
sucht Splitter täglich im Schlaf.

James Mortis, James Mortis,
oh, deine Blumen sind welk,
komm ans Licht und kauf’ neue,
säe neu doch dein Beet –

das Loch deiner Brust wartet lang schon auf Grün

Anneke Hugenberg: Warme Nacht

Am 17. 10. erschien auf der Verlagsseite wieder ein Text aus der Schreibwerkstatt des Antonianums, diesmal "Warme Nacht" von Anneke Hugenberg. Der Text stammt aus dem Literarischen Stadtführer für Vechta, dem "Straßenfeger", der in Zusammenarbeit mit der Stiftung Niedersachsen (Projekt "Communauten"), dem Museum im Zeughaus sowie der Tourist-Info Vechta zu Beginn des Jahres erschienen ist. Der vorgestellte Text stammt vom Literaturpunkt "Friedhof".

Zu dem Stadtführer gibt es ebenfalls eine Audio-Guide-Fassung; sie wird gerade zusammengestellt und am 13.12. im Museum im Zeughaus der Öffentlichkeit vorgestellt.

Hier der Link zu der Hördatei:

http://geest-verlag.de/audio/anneke-hugenberg-warme-nacht-jugendliche-melden-sich-zu-wort

 

Anneke Hugenberg
Warme Nacht


Warme Nacht
Liebkost sanft
Mond und Sterne.
Menschen
Suchen leise -
Heimat.
Während Dunkelheit
Alle Kälte verschluckt
Und einzig
Wohlige Geborgenheit
Sich über die Gräber legt. –
Bis die Vögel
Sie vertreiben. -
Mitternacht.

 

 

Tanja Lücker: Traummänner

Unter der Rubrik "Jugendliche melden sich zu Wort" stand am 16. Oktober Tanja Lückers Text "Traummänner":

http://geest-verlag.de/audio/tanja-l%C3%BCcker-traumm%C3%A4nner-eine-satire-jugendliche-melden-sich-zu-wort

 

Tanja Lücker
Traummänner


Von Wärme umströmt und ihrer Lieblingsmusik verwöhnt, rutschte sie tiefer in ihre weiße Hängematte. Sonnenstrahlen schienen ihre Lider zu streicheln und von weit her der Geruch nach Eis. „Lieber Kirsche oder Stracciatella?“, vernahm sie eine unheimlich attraktive Stimme. Jemand legte seine warme Hand auf ihre Schulter, und sie wusste, dass sie diejenige war, die eine Antwort geben würde. Langsam öffnete sie ihre Augen und blinzelte gegen die bereits tief stehende Sonne, einfach unbeschreiblich, ein umwerfender Mann! „Kirsche, danke“, sagte sie entzückt und nahm ihre Lieblingssorte entgegen. Er beobachtete sie beim Essen und legte sich neben sie. Irgendwoher kannte sie diesen Mann, er kam ihr unheimlich bekannt vor, als wäre er das, was sie schon immer wollte, aber nie bekam. „Lass uns spazieren gehen“, hauchte seine Stimme ihr ins Ohr, und sie stand auf. Es war ihr fast schon peinlich, wie sie ihn anstarrte, aber diese Lichtreflexe auf seinem Körper, seinen Muskeln … unfassbar. Unschuldig wandte sie ihren Blick ab und ließ sich seinen Arm um ihre Schulter und seine Hand in ihre legen. So hinterließen sie ihre Fußabdrücke im Sand, blickten in die Sonne und unterhielten sich, bis sie ein vertrautes Klingeln unterbrach.
„Nein, nicht jetzt“, dachte sie. Unwillig setzte sie einen Fuß nach dem anderen aus ihrer Hängematte, nicht auf warmen Sand, dafür aber auf flauschigen Teppich, und ging vorbei an ihrer lebensgroßen Orlando-Bloom-Pappfigur ans Telefon. „Hey“, nahm sie den Hörer ab, „verschlafen? Ja, ich bin beim Lernen weggenickt, du musst dir nachher unbedingt etwas angucken! Ich habe jetzt eine Hängematte und Palmen vor einem Sonnenuntergang an meiner Wand. So wollte ich mein Zimmer schon immer haben, und dann diese Bloom-Figur … einfach traumhaft!“

Von Wendelin Mangold aus Königstein, einem Autor des Verlags, gab es dazu bereits die erste kritische Würdigung:

habe eben "Traummänner" gelesen, ausgezeichnet geschrieben und Satire ist es auch nicht, sondern ganz normale Liebesträume eines jungen Mädchens. Wer ist Tanja Lücker? Sie hat zweifelsohne literarisches Talent. Ich könnte das an mehreren Stellen des Textes beweisen, so "rutschte sie tiefer in ihre Hängematte", "und von weit her der Geruch nach Eis", Jemand legte seine warme Hand auf ihre Schulter", "blinzelte gegen ... die ... Sonne", "hauchte seine Stimme ihr ins Ohr", "wie sie ihn anstarrte", "diese Lichtreflexe auf seinem Körper", "So hinterließen sie ihre Fußabdrücke im Sand", "setzte sie einen Fuß nach dem anderen aus ihrer Hängematte", "ich bin beim Lernen weggenickt" usw. Einfach großartig! 

Luisa Maureen Chilinski: Sprung

Heute (4. Oktober) ist es Luisa Chilinski, die mit ihrem Gedicht "Sprung" auf der Homepage des Geest-Verlags steht unter der Rubrik "Jugendliche melden sich zu Wort":

http://www.geest-verlag.de/audio/louisa-maureen-chilinski-sprung-jugendliche-melden-sich-zu-wort

Sprung

Nicht mehr verloren
im Leben gefunden
Platz genommen
im Wasser stehen

die Luft ist
warm
und nicht zu voll
Sommerabendschatten
Frühjahrshimmelsfrische
lass ich frei wehen mit
salzigem Blütenatem
umwallen die offenen Augen

die Welt um mich rum
hier und jetzt und keinen Augenblick weiter
will ich springen ins
glitzernd rauschende Meer
plantschen!

Im Leben angekommen.

Eike Wahls: Sprunghaft

Am 18.09.2012 stand unter "Jugendliche melden sich zu Wort" der Text "Sprunghaft" von Eike Wahls.

Auf der Seite des Verlags ist der Text auch als Hördatei verfügbar.

http://www.geest-verlag.de/audio/eike-wahls-sprunghaft-jugendliche-melden-sich-zu-wort-3

 

Eike Wahls
Sprunghaft


Nun stehe ich hier oben und schaue nach unten, weit nach unten. Wie ich hier heraufgekommen bin, weiß ich selbst nicht mehr, zu lange stehe ich schon hier. Viele Möglichkeiten gibt es bei uns, hoch zu kommen und hinunterzuschauen. Auf dem Kirchturm, dem Fernsehturm, dem Finanztower und letztlich auch hier oben. Noch eine falsche Bewegung und es endet vielleicht tödlich. Ein falscher Moment, eine falsche Bewegung, ein falscher Windzug. Aber hier ist es windstill. Was hab ich bloß falsch gemacht, dass es wieder so weit ist und ich hier stehen muss?
Zu oft schon stand ich hier oben und bin dann doch wieder nach unten gegangen. Aber nicht heute, heute springe ich … Heute muss ich einfach springen, weil tja, warum eigentlich? Ich glaube, es ist der soziale Druck, der mich springen lässt. Deshalb müsste ich eigentlich fallen sagen, denn man nötigt mich ja quasi. Wird es – unten angekommen – besser werden? Viel-leicht, doch noch falle ich. Er geht so schnell und einfach, dieser entscheidende Sprung. Ich falle. Ich falle und ich falle ins Tiefe. Ich falle und ich falle, weil es muss, nicht weil ich es will. Ich falle, adieu. Ich falle … und … in 30 Minuten schließt das Schwimmbad.
Ich musste es tun.

 

 

Lesung in Nordhorn

  • anneke_nordhorn

Am gestrigen Dienstag feierte in Nordhorn die Schreibwerkstatt des dortigen Jugendzentrums die Premiere ihres im Geest-Verlag erschienenen Buches "Sag es in Worten".

Anneke Hugenberg und Daniela Heyng brachten dazu ein Grußwort der Schreibwerkstatt des Antonianums und Anneke las noch einen eigenen Text aus der eigenen Anthologie "Aus schwangeren Laternen". Die Jugendlichen haben sich bereits im Mai auf dem Sommerfest des Verlags in Langförden kennen gelernt und hoffen nun auf einen gemeinsamen Workshop.

Erfolgreiche Lesungen beim Verlag

Die Mitglieder der Schreibwerkstatt haben auch in diesem Jahr einen wichtigen Beitrag zum Sommerfest des Geest-Verlags geleistet. Vor allem Lydia Kock fiel mit ihrer offenen Art und ihren anspruchsvollen Texten den rund 80 Autoren auf, die sich im Spieker in Langförden insgesamt versammelt hatten. Dies ist umso bemerkenswerter, als sie zum ersten Mal überhaupt solo gelesen hat. Etwas früher am Tag trug sie außerdem einige ihrer kurzen Prosatexte zur gemeinsamen Lesung der Gruppe bei, die auch ein sehr positives Echo fand. Aber auch Svenja Marie Bösing und Olaf Bröcker bekamen viel Beifall bei ihren Vorträgen. Svenja Marie musste außerdem noch lange Fragen zu ihrer Teilnahme am Literaturlabor Wolfenbüttel beantworten, die sie in diesem Jahr gewonnen hat.

Bilder zu den Lesungen un dzu den vielen anderen, die auch in diesem Jahr bedauerlicherweise auf nahezu kein Interesse in der Schule stieß, sind unter

http://www.geest-verlag.de/bilder_sommerfest_2012

und

http://www.geest-verlag.de/bilder_sommerfest2012_2

zu finden. Einige Komentare von Autoren stehen unter

http://www.geest-verlag.de/news/r%C3%BCckmeldungen-zum-literaturfest

und

http://www.geest-verlag.de/news/noch-ein-paar-eindr%C3%BCcke-vom-7-literarischen-sommerfest

Viel Freude damit!

Autorenlesung mit Reinhard Rakow

  • Carina liest

Zu einer ganz besonderen Literatur-Veranstaltung lädt das Gymnasium Antonianum am Dienstag, 20. März, 19:00 Uhr, in die Mensa ein. Der Berner Autor Reinhard Rakow liest aus seinem Roman „Konzert im Schloss" Teile des „NÄGELSCHLÄGE" betitelten Schlusskapitels.

Um dessen Mehrschichtigkeit und Vielstimmigkeit gerecht zu werden, hat Rakow die Lesung als „Hörspiel-Lesung" eingerichtet. Dazu hat er den Live-Vortrag collageartig angereichert mit auf CD eingelesenen Passagen, Zitaten, Geräuschen und Musik.

„NÄGELSCHLÄGE" steht am Ende von Reinhard Rakows Roman-Duo „atem~pause" und „Konzert im Schloss" (2012, Geest-Verlag). Beide Werke durchbrechen die gewohnte Romanform. Statt eines Helden handeln viele, statt einer Welt begegnen uns unterschiedliche Welten. Handlungsstränge, Orte und Zeiten verweben, vermischen, durchdringen sich.

Rakow, 1952 geboren in Gelnhausen/Hessen, Studium der Rechtswissenschaften und der Psychologie, ist Autor von Lyrik, Essays, Erzählungen und Romanen. Seine Texte stellte er dem Publikum bundesweit in mehr als hundert Lesungen und Konzertlesungen vor. Die neue Kombination von „echter" und „eingespielter" Lesung verleiht seinen Texten eine ganz besondere Eindringlichkeit. Besucher können sich auf ein außergewöhnliches Hör-Erlebnis freuen.

Das Antonianum freut sich auf ein möglichst großes interessiertes Publikum.

Der Eintritt ist frei!

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